| 28. Juli 2015 | ||
| 16:00 |
Am Dienstag, 28. Juli machte „Widerstand Karlsruhe“ (Kargida) eine Kundgebung und Mini-Demonstration am Bahnhof in Karlsruhe. Um 16 Uhr versammelten sich die ersten Antifaschist*innen zu einer Kundgebung zwischen Bahnhof und Demo-Route der Rechten. Man versuchte, durch Blockaden die Rechten davon abzuhalten, zu ihrem Kundgebungsort zu gelangen.
Die Antifaschisti*innen vor Ort freuten sich über Unterstützung aus anderen Städten und man wurde gut aufgenommen. Die Stimmung war fröhlich. Man fühlte sich sofort wohl in der eher unbekannten Stadt.
Die Stimmung der Polizei war eine ganz andere: Schon sehr früh meinte ein Polizist, seinen Schlagstock einsetzen zu müssen. Eine Person wurde im Gesicht getroffen und blutete aus dem Mund. Den ganzen Abend über machte sich die Polizei mit Beleidigungen, Schikanen und körperlichen Angriffen unbeliebt, die auch Verletzte zur Folge hatten.
Kleinere Gruppen von Rechten liefen uns immer wieder über den Weg. Manche fragten die Polizist*innen nach dem Weg zu ihrer Kundgebung, einige wurden von der Polizei eskortiert. Auf diese Art tröpfelten immer mehr Rechte auf ihren Kundgebungsort. Kurzzeitig gelang es, ein paar von ihnen nicht reinzulassen.
Dann sammelten sich ein halbes Dutzend Rechte, darunter führende Köpfe von Kargida, am Bahnhof. Um sie herum eine Traube Polizist*innen und viele Antifaschist*innen. Die Polizei bahnte den Rechten den Weg frei und brachte sie in Richtung ihres Kundgebungsortes. In einer Seitenstraße wurden sie von Antifaschist*innen mit einer Sitzblockade empfangen. Die Polizei machte am Rand der Straße einen Weg frei, durch den die Rechten geschleust wurden. Nun waren wohl die meisten Rechten dort, wo sie hinwollten. Die Polizei macht’s möglich!
Aus einem Haus an dieser Seitenstraße schaute die ganze Zeit über eine Familie dem Geschehen zu. Das Kind war so begeistert, dass es mit einer Vuvuzela aus dem Fenster bließ. Die war leider schwarz-rot-gelb, aber das meinte das Kind bestimmt nicht so.
Um 19:30 Uhr fing die Kundgebung der inzwischen an die 50 Rechten an. Nach einer Stunde Stuss-Gelaber gingen die Rechten einmal um den Block, um 10 Minuten später wieder am Anfangsort zu sein.
Die Anwohner*innen hatten dazu aufgerufen, die Rolläden zu schließen. Die Rechten mussten in leeren Straßen mit geschlossenen Rolläden demonstrieren. Auf der Seite der Antifaschist*innen verteilten Anwohner*innen dagegen gratis Wasser, vegane Hotdogs und Bananen …Ein anderer Aspekt von Willkommenskultur 🙂
Als die Rechten fertig waren, wurden sie in einem Wanderkessel an uns vorbei wieder in den Bahnhof verfrachtet, natürlich nur unter lautstarkem Protest. Andere brachte die Polizei zum Albtalbahnhof, der nicht weit vom Hauptbahnhof ist. Auch dort wurden die Rechten von Antifaschist*innen begleitet, die die Situation mit einer Parole auf den Punkt brachte: „Karlruhe, ohne Polizei, wär schon lange nazifrei!“
Als die Rechten weg waren, lief man gemütlich zurück in Richtung Hauptbahnhof. Aber es war noch nicht vorbei. Dazu muss man kurz ausholen: Es gab einen besonders nervigen und auch sehr lächerlichen Polizisten, der die ganze Zeit über mit einem roten Megaphon durch die Gegend lief und dummes Zeug redete. Man solle die Straße frei machen, oder man solle die Straßenbahn nicht behindern etc. Einmal lief er selbst auf den Gleisen und wurde von einer Bahn aus dem Weg geklingelt, was ihm schallendes Gelächter einfing. Ebendieser Polizist zeigte nun auf eine Person, die ein weißes Megaphon in der Hand hielt. (Erst dachte man, er war neidisch und fände vielleicht das weiße Megaphon schöner als sein rotes.) Doch er wollte diese Person schikanieren. Auf seinen Wink hin kamen gleich ein paar treue Befehlebefolger und griffen ihn raus. Da man nicht geschlossen lief und nicht schnell genug reagierte, war es eine Leichtigkeit, eine Person rauszugreifen. Die Personalien wurden festgestellt, einem Pressemenschen wurde der Zugang verweigert. Die Person wurde wieder freigelassen. Und es kam raus: Die Ausrede für die Schikane war Ruhestörung! Kreativ, kreativ…
Das war es dann aber für den Tag und man wurde in Ruhe gelassen.
Es waren über 300 Antifaschist*innen und an die 50 Rechten in Karlruhe. „Widerstand Karlsruhe“ hat jetzt erstmal Sommerpause. Das nächste Mal wollen sie am Dienstag, den 22. September um 19 Uhr auf dem Kronenplatz in Karlsruhe aufmarschieren.
