Am 21. Juni 2015 war die Demo „für alle“ mal wieder auf dem Schillerplatz in Stuttgart. Um halb eins traf man sich auf dem Schlossplatz auf einer Gegenkundgebung. Es gab Reden und es wurden Flyer verteilt, um den Passant*innen zu sagen, warum man hier ist. Von den Leuten in den Cafés und auf der Königstrasse waren einige vermutlich von der Demo „für alle“, die die Kundgebung beobachteten, sich besprachen, oder ihren Bullshit an die Flyer verteilenden Gegendemonstrant*innen ranschwetzen wollten. Andere wussten gar nichts davon und waren sehr interessiert. Wieder andere standen auf, wenn eine Demo „für alle“-Gruppe vorbeilief und küssten sich vor ihnen (bevorzugt zwei Frauen oder zwei Männer:) )
Dann lief ein großer Teil der Kundgebungsteilnehmer*innen los; an den Bushaltestellen vorbei in Richtung Schillerplatz.
Man wurde von Gittern und zwei Ketten von behelmten Polizist*innen empfangen, die uns einschüchtern sollten. Sie versuchten, die Transparente wegzunehmen und schlugen auf die Vorderen ein. Es gab Verletzte. Eine Person bekam einen Schlagstock auf den Kopf. Die Polizist*innen drängten die Demonstrant*innen zurück. Man war überrascht, von der Polizei in diesem Maß gewaltvoll behandelt zu werden. Da wir zusammenstanden und aufeinander aufpassten, konnten wir Schlimmeres verhindern.
Hinter den Polizist*innen konnte man die Demo „für alle“ sehen. Man rief ihnen Parolen entgegen und versuchte, ihre Reden zu übertönen.
Die unerwartet starke Aggression der Polizei war den ganzen Tag über zu spüren.
Einen Blockadeversuch auf der Route der Demo „für alle“ drängte die Polizei gewaltvoll auf die Seite, sodass die Rechtspopulist*innen im Schutze der Polizei ihre Route laufen konnten. Der unglaublich lange Demozug der Rechtspopulist*innen war deprimierend. So viele hat man nicht erwartet. Wir müssen eindeutig mehr werden!
Einzelne Leute provozierten aus der Demo raus, gut geschützt von der Polizei. Die zynischste Parole der Demo „für alle“ war „Nazis raus!“. Es wäre interessant zu wissen, ob die Nazis, die dabei waren, das mitgegrölt haben.
Die Demo „für alle“ endete vor der Oper mit Reden, dem Aufruf, am 11. Oktober wieder zu kommen und damit, dass sie ihre rosanen und hellblauen Luftballons steigen ließen.
Man hielt ihnen Transparente von der andere Seite des Eckensees entgegen, manche gingen durch den See bis die Polizist*innen sie aufhielten.
Als die Demo „für alle“-Leute sich auflösten, versammelte man sich und machte eine Spontandemonstration, die Königstraße hoch bis zum Rotebühlplatz. Die Polizei hielt sich zurück. Der Schluss war ein schönes Statement. Die Demo der homophoben Hetzer war vorbei und man nahm sich die Straße und die Öffentlichkeit.
Die Demo „für alle“ hatte an die 4000 Teilnehmer*innen. Die Gegenproteste an die 400.
Bis zum 11. Oktober 2015 müssen wir mehr werden!
Love is equal!
Rechtspopulismus stoppen!
Für eine befreite Gesellschaft!
